TV neu erleben mit Twitter
Ich kenne keine genauen Zahlen, aber ich würde mal vermuten, dass mindestens 50% der zur Primetime (20:15 Uhr) twitternden User dabei den Fernseher laufen haben. Besonders deutlich wird das an Hashtags wie #dsds (Deutschland sucht den Supervollpfosten), #Tatort oder #sdr (Schlag den Raab).
Teilweise kann es da schon recht unterhaltsam sein, wenn man dann über einen Dienst wie twitterwallr.com die Kommentare und Meinungen zu einer gerade laufenden Fernsehsendung liest.
Teilweise kann es aber auch sehr hart sein, gerade bei eine Sendung wie Schlag den Raab, bei der eine Person eine zentrale Rolle spielt, die ansonsten nicht im Mittelpunkt medialer Ereignisse steht und somit auch keinerlei Erfahrung auf dem Bereich hat. Dann wird die interessante Kulturkritik (am TV-Programm oder der Qualität der Sendung im Allgemeinen) schnell zu einer öffentlichen Hatz. Teilweise ist das bei Schauspielern in Filmen, Politikern in Talkshows oder Musikern in Unterhaltungssendungen nicht anders und die werden nicht nur über Twitter zerrissen. Aber diese öffentliche Darstellung gehört zu ihrem Job.
Oder ist das Quatsch? Immerhin bewirbt sich der Typ bei einer TV-Sendung und kann davon ausgehen, dass es unter den Zuschauern Leute gibt, die ihn nicht so leiden können. Und anscheinend muss man sich heute mittlerweile auch schon immer darüber im Klaren sein, was ein Auftritt in den Massenmedien für folgen haben kann, gerade durch das Internet.
Da wären wir dann auch wieder beim Thema “Schutz der Jugend vor Casting-Sendungen” und noch viel mehr beim Thema “Lehren von Medienkompetenz”.
Was denkt ihr so, falls ihr aus den paar Zeilen hier überhaupt schlau geworden seid!? :-) Zu betonen ist noch, dass ich dem Internet natürlich keinerlei Schuld oder Böses zuspreche. Zeiten ändern sich, Menschen ändern sich, Gesellschaften ändern sich. Alles hat Vor- und Nachteile. Man sollte es in meinen Augen nur nicht verpassen, die Nachteile zu betrachten und da ggf. das Beste daraus zu machen, was auch immer dies dann ist.
Vorheriger bzw. nachfolgender Artikel:












13. September 2009 um 21:38 Uhr
Naja, wenn du den Hans-Martin aus gestriger Schlag den Raab Folge ansprichst. Ganz so ungeschickt muss man ja nicht mit der kurzen Zeit der öffentlichen Aufmerksamkeit umgehen. Bisher waren alle Kandidaten durchgehend Sympathieträger und er versaut es sich schon ab Spiel 1. Merkte man ja auch am Publikum im Studio. Beifall für Stefan Raab und für den Kandidaten allzugerne bei dessen Fehlern.
Und Twitter ist halt, gerade auf einer Wall, schon recht Representativ.
@HeikoBe
14. September 2009 um 2:07 Uhr
also die kombi aus schlag den raab und twitter war gestern einfach nur der hammer ;)
14. September 2009 um 9:20 Uhr
@frank: Eigentlich ist ja Fernsehen mit Twitter schon der erste echte Weg zum interaktiven TV. Wenn jetzt bei #sdr noch die mit dem Tag markierten Tweets live (ok nach vorheriger Freischaltung) eingespielt würden: Das wärs… Am besten noch ein Twitterspiel oder so 8-)
@HeikoBe
14. September 2009 um 11:56 Uhr
Das Verhalten der 2.0 Gemeinde war das allerletzte und wurde sehr schön vom Journalisten Stefan Niggemeier auf den Punkt gebracht:
“Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter formierte sich unterdessen eine wachsende Horde von Leuten, die sich in immer gröberem Spott über den jungen Mann überboten, für den sie früh und konsequent den Spitz- und Erkennungsnamen #hassmartin erfunden hatten. (Unklar blieb dabei allerdings, welchen Grund nun ausgerechnet diese Leute haben sollten, sich mit ihrer begeistert zur Schau gestellten Asozialität dem sozial ungeschickten Kandidaten überlegen zu fühlen.)”
http://faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog/archive/2009/09/13/schlag-den-raab-wie-man-eine-halbe-million-er-und-alle-sympathien-verspielt.aspx
14. September 2009 um 12:06 Uhr
oh ja, das hat der Herr Niggemeier gut beschrieben.
14. September 2009 um 12:06 Uhr
@Stephan Ich muss sagen, dass ich nur einge Tweets zu #sdr mitgelesen habe. Aber ich denke Herrn Niggemeier steht es auch nicht zu über die Tweeple zu urteilen. Aber natürlich muss man auch bei Tweets der guten Erziehung vortritt lassen.
Dennoch bleibt mein Statement: Nicht besonders geschickt vom #sdr-Kandidaten Hans-Martin…
@HeikoBe
14. September 2009 um 12:29 Uhr
Wieso soll er sich nicht erlauben können darüber zu urteilen? Ich erlaube es mir schliesslich auch und sehe es genauso wie er. Die Leute repräsentieren sich über ihre Mitteilungen, und da sieht man mal wieder wozu Anonymität und Gruppendynamik im Netz führen.
Und natürlich war es kein geschicktes Verhalten vom SDR Kandidaten, aber das rechtfertigt keine anonyme Hetzjagd im Netz. Man muss den Gedanken nur weiter spinnen, wenn das die Regel werden sollte. Muss man sich jetzt in der Öffentlichkeit immer Gedanken machen, dem Web 2.0 Mob nicht auf die Füße zu treten oder zu verärgern?!
Im übrigen hat es nichts mit guter Erziehung zu tun, das ist asoziales Verhalten welches auf Twitter, YT oder in StudiVZ Gruppen an den Tag gelegt wurde und die moderne Art von Hetzjagden und Mobbing. Und ich finde es falsch sowas herunterzuspielen wenn im Netz die Privatadresse, Arbeitsadresse, Telefonnummern, etc. veröffentlich werden.
14. September 2009 um 12:37 Uhr
@Stephan: Wie gesagt, ich habe selber keine Tweets gelesen, die jetzt als Hasstweets durchgingen. Die werden aber da gewesen sein, sonst würdest du sie ja nicht lesen. E Und wie gesagt: Für mich hat es sehrwohl mit guter Erziehung zu tun eben nicht durch asoziales Verhalten aufzufallen. Wo soll das sonst herkommen, nur aus gesellschaftlichen Druck?
Abgesehen davon hätten die Zuschauer auch im stillen Kämmerlein so gewettert, nur eben ohne Austausch.
Man sollte aber nie vergessen, dass #sdr ein Spiel ist. Und wie sagte Hans-Martin sinngemäß:”Ich will nicht der Freund vom Publikum oder Stefan werden, sondern eine halbe Millionen Euro!”…und das war sein “Job”!
Was ich aber damit meinte, Herr Niggemeier solle sich keine Meinung bilden: Hast du schonmal aus der Welt 1.0 irgendwas positives zu Twitter und Co gehört? Bei jedem ereignis werden Tweets etc. gerne angezeigt und kommentiert und später dann verdammt. Seltsam…
@HeikoBe
14. September 2009 um 12:46 Uhr
[...] jemand sachlich (!!) mitdiskutieren möchte, komm doch rüber… No TweetBacks yet. (Be the first to Tweet this [...]
14. September 2009 um 13:00 Uhr
Auf die Gefahr hin mich jetzt für euch zu disqualifizieren, ich habe die Tweets auch nicht mitgelesen, bin nichtmal bei Twitter angemeldet. Allerdings kann man die Tweets sicher irgendwie finden (http://www.scherzinfarkt.net/2009/09/wenn-dich-ganz-twitter-deutschland-hasst/), ebenso die YT Kommentare und StudiVZ Gruppen.
Ich habe dir bei guter Erziehung widersprochen, weil es für ich eine Selbstverständlichkeit ist bei so etwas nicht mitzumachen. Da fehlen grundlegende soziale Kompetenzen. Wobei die wahrscheinlich nichtmals fehlen, sie werden im Netz nur häufig vergessen oder ausgeblendet. Man kann den Kandidaten auch gerne im stillen Kämmerlein abhassen oder sonst was, aber dass es andere Dimensionen hat im Netz hat sollte dir doch auch klar sein.
Im übrigen verdamme ich Twitter oder andere 2.0 Technologien sicherlich nicht, aber ich kann nichts dafür, wenn die Gemeinde ein solches Bild von sich zeichnet.
14. September 2009 um 13:06 Uhr
Dann sind wir ja sehr geeignet hier zu diskutieren 8-)
Natürlich ist es selbstverständlich nicht unverschämt zu werden. Aber wer sich so “benimmt”, muss immerhin mit Kritik rechnen und das heisst heute eben Twitter und Sociale Netzwerke. Die Art und Weise kann/muss natürlich nur verurteilt werden.
Eins ist aber leider online schon beinahe immer (schließen wir mal die gute alte Zeit von vor rund 20 Jahren aus) normale: Zu vergessen, was es an sozialen Kompetenzen einzuhalten gilt. Dabei ist es so einfach: Schreibe nicht, was du nicht auch Face to Face sagen würdest.
Twitter nutze ich nun schon fast 2 1/2 Jahre und es gibt auch hier gute und schlechte Seiten. Und nur die Extreme bringen es bis in die etablierten Medien.
@HeikoBe
14. September 2009 um 13:20 Uhr
Klar gibt es auch positive Seiten an Twitter, das streite ich nicht ab. Und natürlich ist es legitim jemanden zu kritisieren, aber das meiste davon hatte mehr mit Beleidigungen und bloßstellen der Privatsphäre zu tun, als mit Kritik.
Das ist ja auch kein Twitter, nichtmal ein 2.0 Phänomen, sondern ein Netzphänomen, was du mit dem face-to-face Kommentar auch auf den Punkt gebracht hast.
14. September 2009 um 13:25 Uhr
@Stephan: Ich glaube, wir beide sind uns einig 8-)
Gibt es hier noch andere Lesermeinungen?
@HeikoBe
14. September 2009 um 14:21 Uhr
ich freue mich über eure diskussion zu meinem artikel. bin gerade auf der arbeit und kann sie nicht in ruhe verfolgen. das werde ich heute abend nachholen und dann einen kommentar dazu schreiben.
14. September 2009 um 14:32 Uhr
Hallo Markus,
wie haben uns viel zu schnell auf einen Konsens geeinigt 8-) Ich habe über meinen nett-retter blog noch versucht andere zur Teilnahme zu bewegen, aber bisher….HALLO?
@HeikoBe
14. September 2009 um 21:54 Uhr
Also ich habe an dem Abend Twitter verfolgt und fand es teilweise schon erschreckend. Ja, er hat sich ungeschickt verhalten und ja, es war sein Job, mit dem Spiel 500.000 Euro mit nach hause zu nehmen. Aber es muss auch jedem klar sein, dass man als medienunerfahrener Teilnehmer solch einer Show unter so einem Druck und unter so einer Aufregung steht, dass man sich ggf. etwas anders verhält. da in der “Anonymität” der Gruppe bequem vom Sofa draufzuhauen halte ich für falsch.
Besonders hart fande ich, dass Sonntag schon sein Abizeitungsartikel durch die Internetwelt ging. Das hat mich kritischen Äußerungen, die im Zentrum der Aufmerksamkeit eines Showabends steht, nichts mehr zu tun. Das geht weiter, zu weit. Aus dem Grund ist es in meinen Augen auch berechtigt, dass Leute wie wir oder Journalisten auch über die Leute urteilen, die daran teilgenommen haben.
Es ist immer leicht, im Schutze der Dunkelheit jemandem etwas zu sagen. Das bei Tageslicht zu tun, Face to Face, ist was anderes.