Fitts’ Law zum Verhindern von Benutzeraktionen einsetzen

Die Frage, wie man einen Benutzer dazu bekommt, auf eine Schaltfläche, einen Link oder einen Werbebanner zu klicken, wird sicher häufig gestellt. Weniger dagegen die Frage, wie man verhindert, dass ein Benutzer eine bestimmte Aktion ausführt. Einfach so, plötzlich, ohne es wirklich zu wollen.
Auch hierfür kann man Fitts’ Law verwenden, quasi in der Umkehrung der Ergebnisse.
“Fitts’ Law? Wat is dat denn?” – Berchtigte Frage, die ich in aller Kürze so beantworten möchte:
Fitts’ Law ist ein Modell aus dem Fachbereich der Human Computer Interaction. Das Modell versucht die Zeit vorherzusagen, die benötigt wird, um mit dem Mauszeiger von einem Anfangspunkt zu einem Endpunkt zu gelangen. Die Zeit ist dabei abhängig von der Strecke zwischen dem Start- und dem Endpunkt und der Größe des Ziels (z.B. einer Schaltfläche). Je näher ein Ziel entfernt ist und je größer das Ziel ist, desto geringer ist die Zeit, die der Benutzer für den Weg benötigt. Logisch, easy. Eine Besonderheit, die jeder aus dem alltäglichen Arbeiten mit dem Rechner kennt: Die Ecken des Bildschirms haben bei Fitts’ Law eine unendliche Größe. Das ist unter anderem der Grund, warum der Einsatz von “Aktiven Ecken” unter Mac OS so komfortabel ist, oder warum die Schaltfläche zum Anzeigen des Desktops bei Windows 7 jetzt in der rechten unteren Ecke ist. Der Benutzer kann seinen Mauszeiger ohne aufwendiges Zielen in die Ecke schubsen und der Zeiger landet automatisch auf der Schaltfläche.
Das Thema finde ich sehr interessant, weil es gerade immer nur darum geht, den Benutzer zu einer Aktion zu bringen und nicht eine Aktion zu verhindern. Letzteres wird nach meiner Erfahrung häufig versucht durch möglichst viele Nachfragen zu verhindern: “Möchten Sie die Datei wirklich löschen?” – “Möchten Sie den 18+-Film wirklich an die Adresse Ihrer Eltern liefern lassen?” – “Soll die E-Mail wirklich ohne Betreff gesendet werden?” – usw. Wie schnell wird das Bestätigen dieser Meldungen zur Gewohnheit und zu einem “Handgriff” mit dem Ausführen der Aktion, die die Meldung hervorgerufen hat (z.B. Betätigen der Löschen-Schaltfläche).
Zurzeit gibt es zu dem Thema eine kleine Diskussion mit guten Beispielen und Anregungen. Zu nennen sind die Beiträge The Opposite of Fitts’ Law (man beachte das Beispiel aus dem WordPress-Backend) und Don’t press any key to continue (gutes Beispiel zum Versenden einer Mail).1
- Diejenigen unter euch, die gut aufgepasst haben, wird sicher nicht entgangen sein, dass das Teaser-Bild des Artikels nicht zu Fitts’ Law passt. Die Schaltflächen sind gleich groß und mit verwirrendem Text im Verhältnis zur Hintergrundfarbe bestückt. Die Grafik soll eher für das Problem, eine Benutzeraktion zu verhindern, sensibilisieren und zeigen, dass man bei der Oberflächengestaltung doch recht viel falsch machen kann. [↩]
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